Sonntag, 30. Juli 2023
Der Schrittzählerquäler oder Le Pédomètre Homme
Freitag, 23. Dezember 2022
Frau Köber radelt
Frau Köber radelt
Vor Frau Köbers Haus
im Waldesinneren
hält
kein Bus.
Auch die Busverbindung
zwischen
dem nächstgelegenen Ort
und
der Kreisstadt
ist kaum wahrnehmbar.
Daher radelt Frau Köber sehr oft.
Mit den Nachbarn kommt sie
bestens
zurecht, auch
wird ihr Vorgarten
stets
der Jahrszeit gemäß
dekoriert.
Im Herbst grinst der Kürbis neben Zwergen,
es lacht der pralle Apfelkorb,
und auch alle anderen Dekorationen
sind geschmackvoll
angeordnet.
Da kommt der Ev und beugt sich über den
Gartenzaun.
Da kommt der Ev, beugt sich über den
Gartenzaun und
macht ein Foto! Vom Vorgarten!
Macht ein Foto vom liebevoll dekorierten
Vorgarten!!!
Frau Köber ist entsetzt.
Ihr gefällt die Kleidung nicht, in die gewandet
der Ev sich hier, in ihrem Reich
zeigt.
Frau Köber holt ihr Fahrrad aus dem Schuppen.
Frau Köber radelt.
Sie radelt hinter dem Ev her.
Dem unschuldigen Ev, der sich
über seine Fotos freut
die er im Wald gemacht hat
besonders das letzte, von dem
schönen Vorgarten.
Frau Köber erreicht den Ev an der Straße.
Die in den nächstgelegenen Ort hinauf führt.
Frau Köber stellt den Ev zur Rede.
Verlangt gar den Film.
Der Ev fällt aus allen Wolken,
versucht zu erklären,
wird nicht verstanden.
Déjà vu.
Frau Köber droht mit Polizei.
Der Ev hat Durst nach der langen
Wanderung -
und gibt den Film heraus.
Später, oben am Stammtisch, die anderen fragen …
der Ev erzählt.
Seltsam, sagen die anderen.
So kennen wir Frau Köber ja garnicht.
Gestärkt marschiert der Ev hinüber
in die Kreisstadt.
Dort hat es ein Polizeirevier.
Mit zwei Polizisten.
Dem einen Polizisten gefällt die Kleidung nicht,
in die gewandet der Ev sich hier, in ihrem Reich,
zeigt.
Der zweite Polizist sagt:
Seltsam, so kennen wir Frau Köber ja garnicht.
Und fügt hinzu: Solange niemand im Vorgarten ist,
dürfen Sie den fotografieren so oft Sie wollen.
Das Ende der Geschichte ist banal.
Nach einigen Telefonaten - ja, ich kenne Sie eh aus dem Zug -
bekommt der Ev seinen Film endlich wieder.
Donnerstag, 9. September 2021
Neulich in Bayern
Neulich in Bayern:
'Liebe Leute, das Theater
mit der Zweier Eff Eff Peh
sei nun vorbei, denn Hachjuchhee!
ich hab genügend jetzt verkauft,
Zeit wird's daher, daß ihr verschnauft.
Dürft euch normale Masken holen,
wir wer'n euch noch genug verkohlen.''
Dreht sich um, erwartet Dank,
doch die Leute, durch die Bank,
tragen unverändert Eff Eff Peh -
am Rad, im Auto, am Wald, am See -
ducken sich weiter, starr vor Schreck
in Bus und U-Bahn scheu ins Eck.
Die Todesangst im Angesicht
verbirgt die beste Maske nicht.
Dienstag, 22. Juni 2021
Solitude
Mittwoch, 17. März 2021
Erinnerung an die Zukunft II
Was glotzt ihr mich so an?
Laufe ICH vielleicht mit einer
durchnäßten, keimverseuchten Melittatüte
im Gesicht auf der Gasse umher?
Durchdrungen von der Überzeugung,
meinen Atem, meine Seele
dem Gemeinwohl als Opfer darzubringen?
Spare beizeiten, dann hast du in der Not?
Die beiden Jungs, die die stillgelegte
Ladenzeile ausgeraubt haben, waren wohl Brüder.
Sie hießen beide 'Digger'.
In den Schulen schlafen jetzt vorwiegend
Kabarettisten und andere Clowns,
auch immer mehr Opernsänger.
Dort gibt es noch genug Papier
für die Abschiedsbriefe -
im Gegensatz zur kahlen,
ungeheizten Kirche.
Dienstag, 16. März 2021
Erinnerung an die Zukunft I
(Ein Gedicht, das wohl nur Österreicher verstehen können)
Es begann mit Klavierspielen am Zentralfriedhof.Ohne Bettelschüssel.
Einfach nur so. Weil ich es konnte.
Dein Applaus aus der Urne, Udo,
war mir Lohn genug.
Die Gewitterwolke zog rasch vorbei.
Das Polizeiauto leider nicht.
Durch die Gitterstäbe sah ich zwei
Männer über das Pflaster hasten.
Norbert ging wie Heinz-Christian hieß.
Kanzler wären sie beide gerne geworden,
doch das Amt war noch immer vakant.
Wenn man nicht alles selber macht ...
Donnerstag, 5. November 2020
Prostitution Light
Mit andern sich zum Tanze traf,
Sitzt einsam jetzt und grämt sich wohl.
Nicht selten brummt Freund Alkohol
Am nächsten Tag im wehen Schädel.
Da fühlt man sich meist wenig edel.
Bevorzugt fristen Exhibitionisten
Daher ihr Dasein abends, jetzt
Zuhause vor der Kamera.
Ohne Angst oder Trara.
Wer mag schaut zu,
alle andern geben Ruh.
Und weil das sinnbefreite Reiben
Wohl einsam macht und traurig auch,
Haben unsre Krankenkassen
Prophylaktisch einen fahren lassen:
Billiger als bunte Pillen,
Ist eine Frau, die stets zu Willen.
Der Schock dann über den Lockdown
Schiebe man doch rasch beiseite:
Zur Veredelung der dunklen Triebe
Suche man sich eine liebe
Frau für ein paar flotte Runden.
Gerne hübsch, wenn's geht gebunden.
Der traurige Tango der Übrigen
Tut der seelischen Gesundheit wohl!
Oh, verräterische Träne, schweig!
Seien wir niemals unbequem, denn feig
Sucht sich sonst sehr rasch der Gute
Die nächste freie Gratis-Stute.





